Über die Stadthalle

Die Natur- und Heimatfreunde Bad Liebenstein haben auf ihrer großartigen Seite viele Informationen zur Geschichte des Kulturhauses Bad Liebenstein zusammengestellt, hier eine Zusammenfassung:

Der Bau begann im Jahre 1978. Nach etwas mehr als zwei Jahren Bauzeit eröffnete die damalige Bürgermeisterin von Bad Liebenstein, Irmgard Schäfer, das neue Kreiskulturhaus Ende 1981.

In Vorwendezeiten sorgten etwa 50 Beschäftigte für den laufenden Betrieb. Das Kulturhaus bot nicht nur einen großen, modernen Veranstaltungssaal, der ca. 600 Gästen Platz bot und mit einer mehrgliedrigen Hebebühne und modernster Technik ausgestattet war, sondern auch Gastronomie, eine Kegelbahn im Keller, eine Sauna, einen Friseursalon, einen Kurzwarenladen, Club-, Vereins- und Proberäume, einen Ballettübungsraum, der Anfang der 1990er Jahre auch den Grundschülern als Ersatz für die fehlende Turnhalle diente, die Stadtinformation und das Büro des Abschnittsbevollmächtigten.

Sowohl vor, als auch nach der Wende fanden im Kulturhaus nicht nur Karnevalssitzungen, Schulfeste und Auftritte regionaler Künstler statt.
Es gab Galas, Tanzturniere, Autorenlesungen und sogar eine Eisrevue. Nationale und internationale Berühmtheiten traten auf. Um nur einige Beispiele zu nennen: die DDR-Stars Ute Freudenberg, Karat, Pankow und Frank Schöbel, nach der Wende — das Kulturhaus wurde inzwischen als „Stadthalle“ bezeichnet und mit neuer Fassadenfarbe versehen — Harald Juhnke und Karl Dall, Rosanna Rocci, Claudia Jung, Bernhard Brink und Marianne & Michael, sogar das Palastorchester mit seinem Sänger Max Raabe gab sich die Ehre.
Das Publikum kam aus dem ganzen Kreis Bad Salzungen und seinen Nachbarkreisen.

Doch es dauerte nicht lange, da setzte der Verfall ein. Die Wartung und Pflege der Technik und des Gebäudes wurden eklatant vernachlässigt, notwendige Renovierungen nicht vorgenommen, nicht einmal der Abfluss des Flachdaches wurde mehr gereinigt – eine Entscheidung, die sich als fatal erweisen sollte.

Aussenansicht Stadthalle
Eine Ansicht der Stadthalle nach der Wende, mit neuer Fassadenfarbe, „Schweizer Stuben“ — und ersten Graffitis. © Jörg Bodenstein

Die Situation verschlimmerte sich ab 1999 radikal. Zuerst begannen die Wände in Sauna und Kegelbahn zu schimmeln, welche daraufhin schlossen. Später sickerte das Wasser durch das undicht gewordene Dach auch in Bar, Foyer und Saal. Der Gastronomiebereich, der seit der Wende mehrfach den Besitzer gewechselt hatte, wurde 2002 komplett aufgegeben. Gaben sich einst nationale Größen die Klinke in die Hand, hielt nun lediglich der Surborner Carnevalsclub der Stadthalle noch wacker die Treue, ansonsten wurden nur noch sporadische Discos veranstaltet. Die Fassade wurde mit Graffiti beschmiert, die farbigen Platten auf dem Vorplatz waren durch den Wochenmarkt, der nach der Wende einige Jahre lang stattfand, stark in Mitleidenschaft gezogen.

Kulturhaus 2007 - Postkarte
Die aktualisierte Version einer Bad Liebensteiner Postkarte. © Jörg Bodenstein

Im Jahr 2007 wurde die Nutzung der Stadthalle schließlich durch die Bauaufsicht untersagt und die Stadthalle komplett geschlossen. Seitdem liegt das Gebäude brach. Witterung und Vandalismus hinterließen nicht nur eine bröckelnde, beschmierte Fassade. Im Inneren fielen die Deckenplatten herab, das Parkett hob sich wegen der Feuchtigkeit, es begann sogar, Moos und Farn im Foyer zu wachsen. Die Räume sind vermüllt, die Auslegeware durchnässt.

Im Jahr 2012 verhinderte die Bürgerinitiative Aktionsbündnis Altensteiner Oberland den Abriss der Stadthalle, um einem „Dienstleistungs- und Einzelhandelszentrum“ Platz zu machen, welches im Wesentlichen aus einem Textildiscounter bestanden hätte.

Trotz allem ergab eine Begehung mit Sachkundigen am 31.03.2014, dass die Bausubstanz robust und erhaltungswürdig ist. Trotzdem ist eine schnellstmögliche Reparatur des undichten Daches und eine Durchlüftung des Gebäudes dringend nötig, um den Zustand zu stabilisieren und einer Verschlimmerung vorzubeugen.

Tragende Teile sind nach erster Inaugenscheinnahme unbeschädigt. Das Erdgeschoss bietet 2.075 Quadratmeter Platz (incl. Saal von 800 Quadratmetern), wovon ca. 1.000 Quadratmeter für eine attraktive Stadtverwaltung genutzt werden könnten. Die großzügigen, hellen Räume wären bestens dafür geeignet und ermöglichen durch ihre Aufteilung mehrere selbstständig nutzbare, abgegrenzte Bereiche. Mit geringem Aufwand ist ein barrierefreier Ausbau möglich. Das Kellergeschoss bietet weitere 2.300 Quadratmeter Platz, welcher zur Unterbringung der Haustechnik, als Archiv und als Raumreserve für eine zukünftige Nutzung geeignet ist.

 

Mit freundlicher Genehmigung von Herrn F. E. Reich (Heimat- und Naturfreunde Bad Liebenstein) und Herrn J. Schmidt